Was die Forschung über die Belastung von Eltern weiß
Eltern autistischer Kinder erleben im Durchschnitt deutlich mehr Erziehungsstress als Eltern von Kindern ohne Autismus. Der Unterschied ist groß. Auch Eltern von Kindern mit ADHS erleben mehr Erziehungsstress. Er ist höher, wenn die Symptome des Kindes stark sind, wenn Verhaltensprobleme dazukommen oder wenn die Eltern selbst niedergeschlagen sind. Mütter und Väter unterscheiden sich kaum. Im Vergleich mit Eltern anderer Kinder, die wegen seelischer Schwierigkeiten vorgestellt wurden, war der Stress bei ADHS nicht höher. Das spricht dafür, dass die Belastung vor allem mit den Anforderungen im Alltag zusammenhängt.
Gut belegt: Quellen anzeigen
Dafür gibt es starke Forschung, zum Beispiel Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Übersichtsstudien.
- Hayes, S. A., Watson, S. L. (2013) The impact of parenting stress: A meta-analysis of studies comparing the experience of parenting stress in parents of children with and without autism spectrum disorder Journal of Autism and Developmental Disorders, 43(3), 629-642 · MetaanalysePrüfung laut Dossier: PubMed; Abstract,. PMID 22790429.
- Theule, J., Wiener, J., Tannock, R., Jenkins, J. M. (2013) Parenting stress in families of children with ADHD: A meta-analysis Journal of Emotional and Behavioral Disorders, 21(1), 3-17 · MetaanalysePrüfung laut Dossier: Crossref; Abstract.
Eine Metaanalyse mit 31 Studien und über 9.000 Eltern autistischer Kinder fand: Rund 31 Prozent hatten eine depressive Störung, rund 33 Prozent eine Angststörung. Die Ergebnisse der einzelnen Studien schwanken stark. Die Größenordnung zeigt aber, wie verbreitet solche Belastungen sind.
Belegt: Quellen anzeigen
Dafür gibt es gute Studien. Die Ergebnisse sind nicht ganz einheitlich.
Ihre Belastung ist eine Folge der Anforderungen, kein persönliches Versagen.
Gut belegt: Quellen anzeigen
Dafür gibt es starke Forschung, zum Beispiel Leitlinien oder mehrere übereinstimmende Übersichtsstudien.
- National Institute for Health and Care Excellence (2018) Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management (NICE guideline NG87) NICE, aktualisiert 13.09.2019 · LeitlinieDossier 02: Empfehlungen 1.4.11, 1.4.12, 1.5.10 bis 1.5.14, 1.6.1 bis 1.6.4, 1.7.7, 1.7.26, 1.8.7 gelesen. Dossier 05: Empfehlungen 1.4.8 bis 1.4.12, 1.5.4, 1.5.7, 1.5.10 bis 1.5.12.
Was Ihnen guttun kann
Eltern, die mit sich selbst freundlich und verständnisvoll umgehen, berichten weniger Niedergeschlagenheit, weniger Erziehungsstress und mehr Wohlbefinden. Das zeigt eine Auswertung von 15 Studien. Diese Studien messen einen Zusammenhang zu einem Zeitpunkt. Ob ein Training in Selbstmitgefühl die Belastung senkt, ist damit nicht bewiesen. Praktisch heißt das: Probieren Sie aus, in schweren Momenten so mit sich zu sprechen, wie Sie mit einer guten Freundin sprechen würden, und beobachten Sie, ob es Ihnen hilft.
Erste Hinweise: Quellen anzeigen
Es gibt erste Studien, aber noch wenige. Probieren Sie es aus und beobachten Sie, ob es Ihrem Kind hilft.
- Ozturk C, Guzel HS (2026) Self-Compassion and Psychological Health of Parents: A Meta-Analysis Focused on Some Neurodevelopmental Disorders J Autism Dev Disord 56(10):3828-3843 · Metaanalyse (korrelativ)Prüfung laut Dossier: PubMed.
Programme mit Achtsamkeit oder mit der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) senkten in mehreren Metaanalysen Stress, Angst und Niedergeschlagenheit bei Eltern von Kindern mit Entwicklungsbesonderheiten. Die Effekte sind klein bis mittel. Programme ab etwa acht Wochen wirkten besser als kürzere.
Belegt: Quellen anzeigen
Dafür gibt es gute Studien. Die Ergebnisse sind nicht ganz einheitlich.
- Chua JYX, Shorey S (2022) The Effect of Mindfulness-Based and Acceptance Commitment Therapy-Based Interventions to Improve the Mental Well-Being Among Parents of Children with Developmental Disabilities: A Systematic Review and Meta-Analysis J Autism Dev Disord 52(6):2770-2783 · MetaanalysePrüfung laut Dossier: PubMed.
- Yang T, Wang Y, Xu P, Tao Y (2026) The Effectiveness of Mindfulness-Based Interventions in Improving the Mental Health of Parents of Children with Intellectual or Developmental Disabilities: A Systematic Review and Meta-Analysis J Autism Dev Disord 56(8):2977-2991 · MetaanalysePrüfung laut Dossier: PubMed.
- Qin Z, Lan J, He H, Jun Y (2026) The Efficacy of Acceptance and Commitment Therapy for Reducing Anxiety in Parents of Children With Special Needs: A Meta-Analysis Res Child Adolesc Psychopathol 54(1):23 · Metaanalyse (RCTs)Prüfung laut Dossier: PubMed.
Viele Eltern erleben den Austausch mit anderen Eltern als sehr wertvoll. Eine große Übersichtsarbeit konnte aber keine klare messbare Wirkung auf Belastung oder Lebensqualität zeigen, und auch keinen Schaden. Wenn Ihnen ein solcher Austausch guttut, ist das ein guter Grund, ihn zu nutzen.
Umstritten: Quellen anzeigen
Fachleute sind sich hier nicht einig. Wir zeigen Ihnen beide Seiten.
- Sartore GM, Pourliakas A, Lagioia V (2021) Peer support interventions for parents and carers of children with complex needs Cochrane Database Syst Rev 12:CD010618 · Cochrane-ReviewPrüfung laut Dossier: PubMed.
Mehr dazu finden Sie in der Lektion Ihre eigene Kraft.
Wann Sie für sich Hilfe holen sollten
Wenn Sie sich über mehr als zwei Wochen niedergeschlagen, ängstlich, gereizt oder erschöpft fühlen, kaum schlafen oder keine Freude mehr empfinden, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Depression und Angst sind bei Eltern in Ihrer Lage häufig, und sie sind gut behandelbar.
Wenn Sie einfach mit jemandem reden möchten:
- Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550, kostenfrei. Die Zeiten stehen auf nummergegenkummer.de.
- TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenfrei, Tag und Nacht.
Ihr Schritt für diese Woche
Wenn Sie merken, dass Sie sich die Schuld geben, sagen Sie sich einen Satz: Das ist viel, und ich tue, was ich kann. Schreiben Sie ihn auf einen Zettel und hängen Sie ihn dorthin, wo Sie ihn morgens sehen. In der nächsten Lektion geht es um die Diagnose Ihres Kindes und darum, was sie heute bedeutet.